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Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft!

Wir leben in einem Zeitalter des Wohlstands. Vor allem in Deutschland und den westlichen Ländern geht es uns so gut wie nie. Es gibt nahezu alles im Überfluss und die Zeiten, in denen manche Produkte Mangelware waren, sind lange vorbei. Während man früher am Existenzminimum lebte, sind wir heute längst nicht mehr durch die Befriedigung der Grundbedürfnisse zufriedenzustellen. In unser heutigen Wegwerfgesellschaft gehen unsere Ansprüche weit darüber hinaus. Ein neues Smartphone jedes Jahr ist Pflicht und auch die sechste Daniel Wellington Uhr ein Muss! Ist etwas kaputt oder funktioniert nicht mehr wie es soll, wandert es sofort in den Müll. Dinge, die früher ein Leben lang halten mussten, werden heute neu gekauft. Während es früher üblich war, Kleidung zu flicken und Möbel, Schuhe und Spielzeug zu reparieren, wird heute vieles neu gekauft statt weiterverwendet. Teilweise bauen Unternehmen sogar Sollbruchstellen in Elektrogeräte ein, die die Kunden zwingen, sich innerhalb kürzester Zeit ein neues Produkt zu kaufen (geplante Obsolenz).

Besitz als Statussymbol

Darüber hinaus herrscht praktisch eine Unbegrenztheit an Bedürfnissen und Wünschen. An jeder Straßenecke wird man durch Werbeplakate zum Konsum aufgefordert und auch das Internet hat maßgeblich zum Massenkonsum beigetragen, da man stets nur einen Klick vom Kauf entfernt ist. Auf Social Media- Plattformen, wie Instagram und YouTube, begegnen wir ständig Influencern, die ihre neusten Designerklamotten präsentieren und bereits den fünften Luxusurlaub ihres Jahres mit uns teilen, uns damit glauben lassen, das alles wäre normal.
Der Grund dafür ist, dass Konsum für uns inzwischen zum Statussymbol geworden ist und als Ausdruck von Lebensqualität und Luxus gilt. Während man früher nur auf das Nötigste beschränkt war, gilt heute das Motto: „Mehr ist mehr.“. Auch wenn wir schon drei Taschen haben, brauchen wir trotzdem noch eine. Wir kaufen nicht mehr ein, weil wir etwas benötigen, stattdessen wird Shoppen zum Freizeiterlebnis. Das geht soweit, dass wir uns heutzutage größtenteils über unser Besitz und Eigentum definieren. Stets geht es darum, das Beste, Schönste, Größte oder Neueste zu besitzen. Viel eher bekommen wir ein Kompliment dafür, dass wir die neusten Adidas Sneaker tragen oder das neueste Auto-Modell fahren, anstatt dass uns jemand sagt, was für eine lebensfrohe und warmherzige Person wir sind. Dabei kommt es doch darauf an, wer wir sind und was wir tun und nicht, was wir besitzen oder anhaben.

Bildquelle: Pixabay

Konsum macht nicht glücklich

Denn auch wenn uns Werbung und Medien die Botschaft vermitteln wollen, dass wir bestimmte Produkte brauchen um zufrieden zu sein, macht Konsum nicht glücklich. Das stellte auch schon der Psychoanalytiker und Sozialpsychologe Erich Fromm fest, der in seinem Buch „Haben oder Sein – Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft“ zwischen zwei grundsätzliche Lebensweisen unterscheidet. Zum einen gibt es die Existenzweise des Haben, die nur auf Besitz ausgerichtet ist, egal ob es um Wissen, Liebe oder Autorität geht und zum anderen die des Seins, bei der man sich an der Gegenwart erfreut, ohne alles, was man sieht, hört und erlebt, besitzen zu wollen. Erich Fromm erklärt auch, dass in unserer heutigen Gesellschaft, die auf das Haben ausgerichtete Lebensweise für die meisten Menschen, die einzig denkbare Art zu leben ist. Wohingegen das Sein jedoch die einzig Lebensart ist, die Zufriedenheit schafft und wirklich glücklich macht.

Die Folgen des Massenkonsum

Der, in unserer Konsumgesellschaft produzierte Wohlstand, geht auf Kosten von Entwicklungs- und Schwellenländer. Dort werden Arbeiter in Sweatshops ausgebeutet und müssen unter unmenschlichen Arbeitsverhältnissen zu Hungerlöhnen schuften. Abgesehen davon, sorgt der Massenkonsum für irreparable Umweltschäden. Der unbegrenzte Bedarf an Ressourcen führt zum Klimawandel und einer massiver Zerstörung von Natur und Lebensräumen. Die Entwicklungen der letzten Jahre beweisen, dass es notwendig ist, dass vor allem die westlichen Länder ihr Verbrauchsniveau stark senken müssen. In dieser Hinsicht herrscht jedoch weniger ein Erkenntnisdefizit, als ein Mangel an Handlungsbereitschaft. Das große Problem ist, dass man sich dem Konsum nicht komplett entziehen kann, da sonst unser komplettes Wirtschaftssystem zusammenbrechen würde. Bewusster konsumieren ist jedoch ein erster Schritt zu einem nachhaltigen Wohlstand, von dem auch unsere Folgegenerationen noch etwas haben.

Zum Glück gibt es bereits viele Menschen, die unsere heutige Wegwerfgesellschaft kritisieren und in Form von Second-Hand-Shopping und „Repair-Cafés“ gegen die Wegwerf-Mentalität vorgehen, damit versuchen, Nachhaltigkeit zu fördern. Auch Auto-Sharing oder Sofa-Sharing sind neue Trends, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Solche Maßnahmen und der bewusstere Konsum sind auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Um den Massenkonsum jedoch effektiv einzuschränken, ist vor allem das Handeln von Politikern und Unternehmen erforderlich, da nur durch strikte Gesetze gewährleistet werden kann, dass sich jeder an bestimmte Handlungsweisen hält.

Autorin: Elisabeth Meissner

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