Die Sachsenbrücke: Vom Fall des beliebtesten Hotspots Leipzigs

Partys wie aus dem Bilderbuch: Feiernde Menschen, ausgelassene Stimmung und teilweise sogar Live-Musik. Die Sachsenbrücke im Herzen des Clara-Zetkin-Parks in Leipzig ist seit jeher ein beliebter Treffpunkt für junge Leute. Doch vor allem im letzten Monat etablierte sie sich leider zu Leipzigs Sorgenkind Nummer eins.

Alles neu macht der Mai …

… macht die Seele frisch und frei. Laßt das Haus, kommt hinaus!

Das Gedicht von Hermann Adam von Kamp passt wie angegossen auf die Situation im Mai 2021. Nach dem langen, dunklen Corona-Winter wollten unsere angeknacksten Seelen nichts anderes als raus: Raus aus dem Lockdown, raus aus der Corona-Misere und vor allem erstmal raus aus unseren Häusern und Wohnungen. Vitamin D tanken, soziale Kontakte pflegen, wieder ein bisschen „Normalität“ spüren. Welcher Ort bietet sich da besser an als die „Hipster-Brücke“, wie sie von manchen (eher weniger) liebevoll genannt wird?

Gegenläufig verliefen diesen Mai die Corona-Zahlen und die Temperaturen. Während das eine sank, stieg das andere in unglaublichem Tempo. Perfekte Konditionen also, um die Jugend abends in den Park zu locken. Neben Künstler*innen, die mit verschiedensten Instrumenten die Menge unterhielten, gab es meistens auch mehrere „Boom-Boxen“ aus denen Partyhits oder Techno-Musik dröhnte. Mit ein bisschen Vorstellungsvermögen konnte man es ein bisschen mit verschiedenen Stages in Clubs vergleichen, die sicherlich von vielen schmerzlich vermisst wurden. Leere Pfandflaschen wurden von Sammler*innen mit Freude entgegengenommen. Am Geländer der Brücke stapelten sich deren bis zum Rand gefüllte Taschen. Mit voranschreitender Stunde und steigendem Alkohol-Pegel ließen viele ihre vorherige Vorsicht im Umgang mit Corona fallen. Trug man eine Maske in der Menschenmenge, wurde man verdutzt angeschaut. An einigen Abenden war die Brücke so verstopft, dass Passant*innen sich regelrecht durch die Masse kämpfen mussten, auf dem Fahrrad hatte man überhaupt keine Chance.

Der Anfang vom Ende

Die nicht eingehaltenen Corona-Regeln wurden zwar zuvor schon kritisiert, jedoch gab es am 12. Juni die ersten großen Negativ-Schlagzeilen. In der vorherigen Nacht wurde ein Rettungswagen, der zur Sachsenbrücke gerufen worden war, umzingelt, beschmiert, mit Flaschen beworfen und mit Stickern beklebt. Zu diesem Zeitpunkt sollen bis zu 1 000 Menschen auf der und im Umfeld der Brücke gefeiert haben. Am Wochenende darauf wurde von gefährlichen Körperverletzungen durch Glasflaschen berichtet. Die Polizei war anwesend, konnte jedoch nicht viel ausrichten, da erneut über 1.000 Menschen anwesend waren.
Am nachfolgenden Wochenende wieder genau das gleiche Spiel: Ein 22-jähriger wurde mit einem Messer angegriffen und trug schwere Verletzungen davon.

Probleme über Probleme

Neben steigender Kriminalität, zu der neben den (schweren) Körperverletzungen auch vermehrt Diebstähle zählen, wird der Müll zu einem immer größeren Problem. Zwar hatte Leipzig schon vor alledem viele Komplikationen mit hinterlassenen Abfällen und zu wenigen Mülleimern, jedoch erreicht das Geschehen gerade ein neues Level. Vor allem Glassplitter und Müll, welcher auf den Grünflächen nahe der Brücke hinterlassen wurde, kosten die Stadt Leipzig mehr als je zuvor. Auch Beschwerden wegen Lärmbelästigung von Anwohner*innen in der Nähe der Brücke gehen immer häufiger bei der Polizei ein.

Maßnahmen

Um die Probleme auf der Sachsenbrücke zu minimieren, sollen nun einige Maßnahmen ergriffen werden. Musizieren mit Verstärkern darf man demnach nur noch mit Sondererlaubnis und bis 22 Uhr. Wenn die Regeln nicht eingehalten werden, dürfen die Musikgeräte konfisziert werden. Des Weiteren sollen illegale Müllentsorgung und öffentliches Urinieren direkt zur Anzeige gebracht werden.
Außerdem wird über ein Glasflaschenverbot und die Beleuchtung der Brücke nachgedacht. Das soll vor allem dabei helfen in der Dunkelheit durchgeführte Straftaten zu verhindern.

Obwohl Maßnahmen gegen Kriminalität und Umweltverschmutzung natürlich wichtig sind, bleiben viele Fragen offen. Zuallererst: Ist ein Glasflaschenverbot überhaupt vollständig umsetzbar? Man kann schließlich nicht jeden einzelnen Rucksack kontrollieren, und das rund um die Uhr.

Und: Würde die Beleuchtung der Brücke nicht einfach nur zur Verlegung der Partys und der damit verbundenen Kriminalität auf weniger beleuchtete Ecken des Parks führen? Schließlich ist der Clara-Zetkin-Park eine der größten Parkanlagen Leipzigs und kann unmöglich überall beleuchtet und überwacht werden.

Ob sich die Situation auf der Sachsenbrücke ändert, wenn Bars und Clubs wieder vollständig öffnen, bleibt abzuwarten.  

Autorin: Anjes Dachner
Bildquelle:
pexels.com

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