Die Tiefen des Multiversums — das Potenzial der Fiktion

Das Multiversum – ein endloses Meer voller Möglichkeiten und fremder Welten. Auf den ersten Blick wirkt die Vorstellung von mehreren Realitäten wie ein einfaches Hirngespinst. Doch auch die Wissenschaft schließt nicht hundertprozentig aus, dass an der Theorie etwas dran ist. Demnach könnten wir tatsächlich in einer von vielen Realitäten leben.
Real oder nicht, das Multiversum bietet viele Möglichkeiten, andere Situationen zu erforschen. Heute konzentrieren wir uns auf die Umsetzung in der Fiktion, denn vor allem das Storytelling und bereits bestehende fiktive Welten können davon profitieren.
Wer den Begriff des Multiversums hört, wird wohl zuerst an die Filme der Marvel-Reihe denken. Gerade die neueren Filme, wie der gerade neu erschienene Film Spider-Man: Across the Spider-Verse und der im letzten Jahr herausgekommene Film Doctor Strange in the Multiverse of Madness, überqueren die Grenzen ihrer eigenen Realität.
Trotz ihrer umfangreichen Filmreihe veröffentlicht Marvel hauptsächlich Comics. Wenn es um die Anzahl der verschiedenen Versionen ihrer Superhelden geht, stehen auch die DC-Comics seinem Rivalen in nichts nach.

Wenn die kleinste Entscheidung alles verändert

Wahrscheinlich hat sich jeder schon einmal gefragt, was sich verändert hätte, wenn man in der Vergangenheit eine andere Entscheidung getroffen hätte. Ob beim Lernen für die Abschlussprüfung, der Berufswahl oder einfach nur beim Einkaufen. In einem Multiversum schafft jede gefällte Entscheidung ein anderes Paralleluniversum. Manche dieser Welten sind näher an der eigenen Wirklichkeit dran als andere, je nachdem wie groß die Auswirkung der Entscheidung auf den Verlauf des Lebens ist. Andere Realitäten haben nur noch wenig mit der originalen Welt gemein, da sie sich so weit von ihr abgezweigt haben.

Parallelwelten sind in der Fiktion ein beliebtes Thema, die gerne auch innerhalb der Geschichte erforscht werden. Viele Protagonisten sind schon in einer Parallelwelt gelandet und mussten erkennen, wie ihr Handeln den Fluss der Geschehnisse beeinflusst hat. Oftmals wird dies in Verbindung mit Zeitreisen dargestellt. Nachdem der Charakter ein scheinbar unwichtiges Ereignis verändert hat und in seine Zeit zurückreist, stellt er fest, dass er damit die gesamte Zukunft verändert hat. Dieses Phänomen wird auch als der Schmetterlingseffekt bezeichnet, da niemand die langfristigen Konsequenzen vorhersehen kann.

Alternative Realitäten und die Fanbase

Alternative Universen, auch als AU abgekürzt, sind im weitesten Sinne auch Parallelwelten. Mit dem kleinen Unterschied, dass diese Welten nicht auf der eigenen Realität basieren. Während Parallelwelten sich irgendwann vom Original-Zeitstrang abzweigen und in viele kleine Äste spalten, gelten in Alternativen Universen nicht immer die gleichen Gesetzmäßigkeiten. Das Worldbuilding sowie die Zeitepoche können eine ganz andere sein.

AUs sind eine beliebte Trope für die Fangemeinde, da sie großen Spielraum für den Plot lassen. Hier kann man seine Lieblingscharaktere in andere Settings werfen und überlegen, wie die Geschichte verlaufen würde, wenn sie plötzlich eine Zombie Apokalypse überleben müssen. In anderen alternativen Welten tauschen die Charaktere die Geschlechter oder gehen plötzlich zur Uni, anstatt in ihrer mittelalterlichen Fantasy-Welt zu kämpfen. Interessant ist auch immer, wenn der Protagonist und der Antagonist die Rollen wechseln und der Held plötzlich zum Schurken wird. Die Möglichkeiten sind endlos und die Fans sind definitiv in der Lage, diese auch vollends auszuschöpfen.

Obwohl nicht jeder von der berühmt-berüchtigten Fanfiktion begeistert ist, beweist ihre Existenz im jeweiligen Fandom eine Sache: eine aktive Fanbase. Ob das nun Fanfiktion ist oder Fanart, Comics, Cosplay oder Fanfilme; das Interesse an der Geschichte, ihrer Welt und den Charakteren ist gewaltig.

Die entscheidende Frage

Die Königsdisziplin der fremden Realitäten in der Fiktion sind wohl die „Was wäre, wenn…?“-Szenarios. Sie gehören ebenfalls in die Kategorie der Parallelwelten, aber blicken eher auf vergangene Ereignisse zurück und stellen sich vor, wie ein einziger Umstand das bereits Geschehene ändern kann. Im Gegensatz zu Alternativen Universen, liegen diese Handlungsstränge nah am Original.

In der von Fans erzählten Fiktion wird jegliche Abweichung vom Plot der Hauptgeschichte als „Canon Divergence“ beschrieben. Manchmal sind es auch die Autoren der Geschichten selbst, die die Möglichkeit des „Was wäre, wenn?“ in Betracht ziehen. Dazu gehören die vorhin angesprochenen Zeitreisen oder auch Reisen in andere Paralleldimensionen. Im Gesamtbild sind es aber mehr die Fans, die sich mit der Frage auseinandersetzen, was hätte anders laufen könnten. Was wäre, wenn der Antagonist gewonnen hätte? Was wäre, wenn dieser Nebencharakter nicht gestorben wäre? Was wäre, wenn der Protagonist hier anders gehandelt hätte?

Am Ende stellt sich im Hinblick auf das Multiversum trotz aller Unterschiede immer die gleiche Frage:

Was wäre, wenn alles anders gekommen wäre?

Autorin: Julia Rodner
Bildquelle: Vaynakh auf freepik

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