Die Weihnachtsbaum-Frage

Nordmanntanne, Blaufichte, oder doch lieber Plastik? Jedes Jahr zur Weihnachtszeit stehen wir wieder vor der Entscheidung: Welcher Baum soll es werden? Die Auswahl ist groß – von echten, duftenden und frisch geschlagenen Tannen bis hin zu mit Kunstschnee besprühten Nadelbäumen aus Plastik. Neben der Optik und dem persönlichen Geschmack sind es oft zwei Gründe, die die Entscheidung beeinflussen: Zum einen die Kosten für einen echten Baum Jahr für Jahr und zum anderen der Aspekt der Nachhaltigkeit, nicht zu jedem Weihnachtsfest für ein Maximum von etwa zwei bis drei Wochen einen Baum aus dem Wald zu holen, um ihn danach zu entsorgen.

O Tannenbaum

Doch wieso stellen wir uns zur Weihnachtszeit überhaupt einen geschmückten Baum ins Haus? Die Ursprünge des Weihnachtsbaumes, wie wir ihn heute kennen, sind nicht vollständig geklärt. Bereits bei den Germanen und später den Römern lassen sich immergrüne Zweige finden, die in der dunklen Jahreszeit Lebenskraft und Glück bringen sollten. Die ersten mit Kerzen geschmückten Tannen finden sich am Anfang des 17. Jahrhunderts, vornehmlich bei adeligen Familien. 1774 wird in Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ der Weihnachtsbaum zum ersten Mal in der deutschen Literatur erwähnt. Erst im 19. Jahrhundert wurde der Weihnachtsbaum zum Volksbrauch und verbreitete sich, unter anderem über den deutschstämmigen Prinz Albert, den Gemahl von Queen Victoria, in weiten Teilen der Welt.

Die Qual der Wahl

Heutzutage sind die Möglichkeiten, sich einen Baum zum Weihnachtsfest ins Haus zu holen, zahlreich. Es gibt verschiedene Sorten, wie etwa die klassische Nordmanntanne, die blau schimmernde Blaufichte, die duftende Kiefer oder die mit biegsamen Zweigen ausgestattete Douglasie. Zudem gibt es Bio-zertifizierte und regional angebaute Bäume, Tannen aus konventionellem Anbau, Weihnachtsbäume im Topf zum Wiedereinpflanzen sowie künstliche Alternativen aus Plastik. Unterscheiden lassen sich diese Optionen nicht nur in der Haptik und Optik, sondern auch anhand des Preises. Während man für einen Laufmeter Nordmanntanne bis zu 30 Euro bezahlt, bekommt man künstliche Bäume bereits ab 20 Euro. Bei beiden Preisen gibt es deutliche Abweichungen, je nach Qualität und Herkunft. So können hochwertige künstliche Bäume mit bis zu 400 Euro ins Gewicht fallen. Ob und wann sich ein künstlicher, wiederverwendbarer Baum also preislich lohnt, hängt von der persönlichen preislichen Schmerzensgrenze ab. Liegt einem die Wiederverwendbarkeit eines Tannenbaums am Herzen, man sich aber keinen künstlichen anschaffen möchte, gibt es die Alternative, einen Tannenbaum mit Wurzeln im Topf zu kaufen. Dieser lässt sich, so die Idee, nach dem Fest wieder einpflanzen. Hier ist allerdings auf die Herkunft zu achten, denn meist sind die Töpfe für die Wurzeln zu klein und der Temperaturunterschied zwischen Wohnzimmer und Garten zu groß, als dass der Baum lange überleben würde.  

Wie nachhaltig kann Plastik sein?

Die naheliegendste Lösung für viele ist daher die Investition in einen künstlichen Tannenbaum, der sich Jahr für Jahr aufstellen lässt. Der Baum nadelt nicht, hat bei guter Behandlung kein Verfallsdatum und lässt sich meist leicht zusammenbauen. Mittlerweile gibt es künstliche Weihnachtsbäume, die täuschend echt aussehen; solche, die mit weißem Kunstschnee besprüht sind oder pink eingefärbt – kurzum, es ist für alle etwas dabei. Die hauptsächlich aus Polyvinylchlorid (PVC), Metall und Polyethylen bestehenden Bäume gibt es für jeden Geldbeutel und in jeder Größe. Kann ein importierter Plastikbaum aus China jedoch wirklich nachhaltiger sein als ein frisch geschlagener Baum aus Europa? Wie bei so vielem hängt es von mehreren Faktoren ab: Importierte echte Bäume aus Dänemark haben beispielsweise eine deutlich schlechtere Umweltbilanz als regional gewachsene Tannen. Zudem ist ein Bio-zertifizierter Anbau nachhaltiger als ein konventioneller. Dafür haben echte Tannen (unabhängig vom Anbau) den Vorteil, dass sie, zumindest bis sie gefällt werden, CO2 binden, während in der Produktion von künstlichen Tannen unweigerlich CO2 entsteht. Ein zwei Meter hoher Weihnachtsbaum bindet beispielsweise etwa 40 Kilogramm CO2 jährlich. In einem Aspekt besticht jedoch ganz klar ein künstlicher Christbaum: Da das Wachstum eines Weihnachtsbaumes mindestens sieben Jahre dauert, beträgt das theoretisch gesparte Baumwachstum 70 Jahre (vorausgesetzt ein echter, zehn Jahre lang gekaufter Baum braucht jeweils sieben Jahre zum Wachsen).

Ein Lösungsvorschlag

Ab wann ein künstlicher Baum also eine bessere CO2-Bilanz aufweist als ein echter, lässt sich pauschal nicht sagen. Expert:innen gehen je nach Qualität der Herstellung des Plastikbaums von einer Nutzungsdauer von zehn bis 20 Jahren aus. Erst ab diesem Zeitpunkt ist ein künstlicher, importierter Weihnachtsbaum nachhaltiger als ein neuer Baum jedes Jahr. Wer also eine langfristige Investition tätigen will und den Baum für mindestens 20 Jahre nutzt, ist mit einem Plastikbaum gut bedient. Hält man sich lieber an echte, frisch geschlagene Tannen, sollte man auf die Herkunft des Baumes sowie auf dessen Anbau achten. Bio-Bäume sind zwar meist etwas teurer, dafür aber umwelt- und naturfreundlicher in der Anpflanzung. Ein regionaler Christbaum vermeidet zudem hohe CO2-Emissionen, die beim Transport entstehen. Wer sich für einen Baum im Topf entscheidet, sollte ebenfalls auf die Herkunft und einen verantwortungsvollen Anbau achten, damit der Übergang vom Topf in die Erde gelingt. Es hängt daher ganz von den persönlichen Bedürfnissen ab, welche Art von Weihnachtsbaum schlussendlich die richtige und nachhaltigste ist.

Autorin: Mira Krevet
Bild: unsplash

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