Morgen ist leider auch noch ein Tag

Irgendwie hatte ich von meiner Depression mehr erwartet – von Tobi Katze

Wie ist das eigentlich, wenn man die Diagnose Depression bekommt? Wie gehen die Mitmenschen und man selbst damit um? Ändert sich das Leben fortan oder führt man es genau so weiter, nur mit der Gewissheit, dass man tatsächlich krank ist?

Aber halt, Depression ist eine Krankheit? Nee – du bist doch nur traurig. Dann unternimm einfach etwas Schönes mit deinen Freunden und schon sieht alles wieder ganz anders aus. Da ist man doch nicht gleich krank.

“Ich bin nicht traurig, denke ich zurück, das ist ja die Krux an der Sache. Die Leute meinen immer, wer Depressionen hat, sei traurig. Aber ich fühle mich nicht im mindesten traurig. Ich fühle gar nichts. Nix. Null. Einfach nichts. Ich bin nicht traurig. Was würde ich dafür geben, einfach nur traurig zu sein. Aber ich bin es nicht. Ich bin das Gegenteil davon.”

Tobi Katze

Jeder dritte leidet im Laufe seines Lebens an einer psychischen Erkrankung. Die Depression zählt weltweit zu den fünf häufigsten Krankheiten. Bis zu 20% der Bevölkerung sind von Depressionen betroffen. Inzwischen zählt sie sogar als Volkskrankheit, doch trotzdem wird sie immer noch tabuisiert und der Ernst der Krankheit oft unterschätzt.

Es ist schwer, ein Buch über psychische Krankheiten zu schreiben. Die Menschen tendieren dazu, schwarz und weiß zu denken. Entweder man findet das Thema viel zu überflüssig, denn eine Depression ist ja nicht gleich eine Krankheit. Oder, man denkt sich: Depression? Darüber kann man doch nicht schreiben, so etwas kann man doch nicht lesen, am Ende wird man noch selbst depressiv!

Diagnose: Depression, Behandlung: Mit Humor.

So wird der autobiografische Roman von Tobi Katze beschrieben. Zunächst dachte ich, ein Buch über Depression, möchte ich das wirklich lesen? Doch schon nach den ersten Seiten hatte ich dieses beklemmende Gefühl nicht mehr. Die Geschichte von Tobi Katze hat mich, durch seine so lockere Art und Weise zu schreiben, dazu gebracht, zu verstehen, wie es Leuten mit Depression geht. Seine humorvolle Art und Weise mit der Krankheit umzugehen hat mir sogar ab und zu ein Lächeln auf die Lippen gezaubert.

Darum geht es

Dass etwas mit Tobi nicht stimmt, merkt er sofort. Im Laufe des Buches berichtet der Autor über seinen Alltag und Beruf, den Umgang mit Freunden und Familie, die wöchentlichen Therapiestunden und die Liebe. Eigentlich ist das Leben nicht schlecht, auch nicht für Tobi. Er beschreibt den Verlauf seiner Depression und seine Position vom Erkennen, Akzeptieren und Leben mit dieser Krankheit. zentrale Rollen dabei spielen unter anderem sein Alkoholkonsum, zwischenmenschliche Beziehungen und die Aussicht, auf Besserung.

Ich habe eine authentische Geschichte aus dem Leben des Autors erwartet und genau diese bekommen. Er geht offen mit seiner Depression um, schreibt auf humorvolle Weise, mit sarkastischen Passagen und bringt das schwarze Chaos in seinem Kopf auf einen lebendigen Nenner. Das, was Tobi Katze in seinem Buch beschreibt, hat mich wirklich sehr berührt. Das im Roman Beschriebene ist für Außenstehende, nicht unter der Krankheit Leidende, schwer und kaum nachvollziehbar. Ich kann dieses Buch empfehlen für alle, die offen sind für dieses Thema und die sich dafür interessieren, wie so eine Krankheit aussehen KANN. Ob man nun selbst betroffen ist, oder jemanden kennt. Vielleicht hilft es den Menschen aus diesem Schwarz-Weiß heraus zu blicken und hilft, das Ganze besser zu verstehen. Tobi Katze hat versucht, seine Situation dem Leser näherzubringen. Und es ist ihm gelungen.

Über den Autor

Tobi Katze, alias Tobias Rauh ist ein deutscher Autor und Poetryslammer

„2011 wurde bei mir eine Depression diagnostiziert, und um mich zu rächen, schrieb ich 2015 ein Buch über sie, was zur allgemeinen Erheiterung ein Bestseller wurde. Glauben Sie mir, ich kann´s mir auch nicht wirklich erklären. Inzwischen geht´s wieder mit der Depression. Das Buch hingegen ist immer noch da. Man kann es schlechter treffen.“

Homepage von Tobias Katze

Autorin & Bild: Eileen Abe

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