Im Kampf gegen die Schatten

Rezension des Romans Goldene Flammen von Leigh Bardugo

Als erstes sehen wir Dunkelheit. Nach und nach erkennen wir ein zerstörtes Schiff. Donner dröhnt von weit her. Weitere Wrackteile brennen im Hintergrund. Die Kamera fährt immer weiter auf das zerrissene Segel zu und beim nächsten Blitz sehen wir die Umrisse von gewaltigen Flügeln und hören Geräusche, die kein gewöhnliches Lebewesen von sich geben kann. Während dieser Szene hört das Publikum die Stimme von Alina Starkov, die uns erzählt: „When I was younger, I was afraid of the dark. When I got older, I learned that darkness is a place, and it’s full of monsters.”[1]

So beginnt die Serie Shadow and Bone, die es seit dem 23. April 2021 bei dem Streaminganbieter Netflix zu sehen gibt. Shadow and Bone basiert auf der gleichnamigen Buchreihe von Leigh Bardugo. Damit ihr wisst, was auf euch zukommt, stellen wir euch den ersten Teil der Reihe vor: Goldenen Flammen.

Die wichtigste Frage zuerst: Worum geht es? Alina Starkov ist Kartografin in der Ersten Armee des Zaren von Rafka. Ihre Einheit soll die Ödsee, eine große Schattenflur bevölkert mit Volcra, schrecklichen Ungeheuern, die Ost- und West-Rafka voneinander trennt, überqueren. Mit „that darkness“ aus dem obigen Zitat ist eben diese Schattenflur gemeint. Der Begriff „Ödsee“ scheint zunächst irreführend, denn es handelt sich dabei nicht um ein Gewässer, wie das Wort „See“ vermuten lässt, sondern um einen wüstenähnlichen Landstrich, der in dauerhafter Dunkelheit verschwindet. Während der Überfahrt wird ihr Skiff (Wüstensegler) angegriffen und Alinas bester Freund Mal fast getötet. Im Anblick der Gefahr entfesselt Alina Fähigkeiten, von denen sie selbst nichts ahnte und rettet damit Mal und dem Rest der Besatzung des Skiffs das Leben. So offenbart sich, dass Alina zu einer besonderen Gruppe Menschen gehört, die über magische Fähigkeiten verfügen: die Grisha. Und sie ist nicht nur irgendeine Grisha. Sie ist die Sonnenkriegerin, die gleißendes Licht heraufbeschwören kann. Momentan ist sie die Einzige, die zu so etwas fähig ist und damit unverzichtbar. Daraufhin wird sie in den sogenannten kleinen Palast gebracht, Trainingslager und Zuhause der Grisha. Neben Alina und Mal gibt es noch eine weitere wichtige Figur in der Buchreihe: Der „Dunkle“ – Einer der mächtigsten Grisha und Befehlshaber der zweiten Armee, der Armee der Grisha. Da ihre Kräfte so einzigartig sind, nimmt der „Dunkle“ sich Alina an. Im kleinen Palast lernt sie mehr über die Grisha und wie sie ihre Fähigkeiten nutzen kann, um sich ihrer Bestimmung zu stellen: Die Schattenflur zu zerstören.

Die Autorin schafft es, eine faszinierende Welt aufzubauen und eine Geschichte zu erzählen, bei der man einfach dranbleiben muss. Das Universum, in dem sich die Geschichte abspielt, ist komplex, aber das Buch erklärt den Leser*innen gut, was Grisha sind, wie ihre Kräfte funktionieren und wie Rafka aufgebaut ist. Außerdem ist das Buch gespickt mit vielen interessanten Charakteren, beginnend mit Alina. Man begleitet sie auf ihrer Reise und sieht, wie sie sich entwickelt. Am Anfang hat sie Schwierigkeiten, ihre Kräfte aufzurufen. Sie zweifelt, hält sich zurück. Als Leser*in fiebert man mit und wartet darauf, dass sie ihre Kraft erkennt. Als dann endlich der Knoten platzt, ist man auch als Leser*in begeistert. Neben Alina treffen wir auch auf den oben erwähnten Mal. Am Anfang ist er meiner Meinung nach nicht zu 100 Prozent sympathisch, jedoch zeigt sich gegen Ende des Buches, dass er alles für Alina tun würde und man sieht, dass er ein gutes Herz hat. Ebenfalls interessant ist der „Dunkle“. Ihn umgibt eine ständige Aura der Macht, was ihn sowohl faszinierend als auch geheimnisvoll und undurchschaubar macht.

Ich versuche die Rezension für alle Leser*innen des Blogs so spoilerfrei wie möglich zu halten, falls ihr das Buch ebenfalls lesen wollt. Aber so viel kann ich euch sagen: Der Plot-Twist hat mich richtig aus der Bahn geworfen.

Abschließend nun noch ein paar Worte zu der Serienadaption. Ich würde sagen, dass diese sehr gut gelungen ist. Die erste Staffel basiert auf dem ersten Buche und ist sehr nah an der Vorlage geblieben. Hier und da kann man einige Unterschiede erkennen. Der größte Unterschied zum Buch ist, dass ein zweiter Handlungsstrang in Alinas Geschichte eingewoben wurde. Dieser dreht sich rund um Kaz Brekker, Inej Ghafa und Jesper Fahey, Figuren aus dem Buch „Das Lied der Krähen“, ebenfalls von Leigh Bardugo. Das Trio wurde angeheuert, um Alina zu kidnappen. Jedoch kommen sie von der anderen Seite der Ödsee, aus Ketterdam (siehe Karte). Ihre Reise mitzuerleben, hat der Serie nur noch mehr Tiefe und Spannung gegeben.

Bildquelle: Privat

Mein persönliches Fazit: Die Macher der Serie haben es sehr gut verstanden, diese vielfältige Welt zum Leben zu erwecken. Ebenfalls zu loben ist die Besetzung, welche aus vielen talentierten Schauspielern besteht, die ihre Rolle nahezu perfekt verkörpern und die Zuschauer*innen damit in ihren Bann ziehen. Zusammenfassend ist zu sagen, dass es sich lohnt, das Buch zu lesen und die Serie zu schauen, weil man als Leser*in bzw. Zuschauer*in komplett in die Welt eintauchen kann und für ein paar Stunden alles um sich herum vergisst.


[1] Übersetzung: Als ich jünger war, hatte ich Angst vor der Dunkelheit. Als ich älter wurde, lernte ich, dass die Dunkelheit ein Ort ist. Und dieser ist voll mit Ungeheuern.

Autorin: Tanja Müller
Bildquelle: Privat

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