Diversität in Kinderbüchern?!

Viele von uns sind aufgewachsen mit Büchern wie Conni, Hanni und Nanni und Harry Potter. Unsere Held:innen waren zumeist weiße Protagonist:innen ohne Behinderung, die gemeinsam mit Freund:innen die tollsten Abenteuer und Geschichten erlebt haben. Ich habe all diese Geschichten geliebt, denn natürlich gehören sie nicht ohne Grund zu den beliebtesten Kinderbüchern in Deutschland. Doch mittlerweile frage ich mich: Wo ist in diesen Kinderbüchern eigentlich die Diversität?

Die Hintergründe

In Deutschland hatten laut dem Statistischen Bundesamt im Jahr 2022 23,8 Millionen Menschen einen Migrationshintergrund. Das entspricht 28,7 % der Gesamtbevölkerung. Darin inbegriffen sind 5,1 Millionen Kinder, die in Familien mit Migrationshintergrund leben, was einem Anteil von 39 % aller Kinder in Deutschland entspricht, sowie 1,0 Millionen Kinder mit eigenen Migrationserfahrungen (Quelle: BMFSFJ). Menschen zählen dann als Person mit Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht als deutsche Staatsbürger:innen geboren sind.

Wiederum andere Kinder in Deutschland wachsen in Regenbogenfamilien, also Familien mit gleichgeschlechtlichen Elternteilen, auf. Im Jahr 2022 gab es ca. 12 000 gleichgeschlechtliche Paare, die gemeinsam eines oder mehrere Kinder großgezogen haben. Hinzu kommen Kinder mit alleinerziehenden Eltern, Waisen, Patchworkfamilien und vieles mehr.

Der Vielfalt an Familienmodellen sind hier keine Grenzen gesetzt.

Außerdem leben in Deutschland viele Kinder mit einer Behinderung, die über eine Seheinschränkung hinausgeht. Rollstühle, Hörgeräte und vieles mehr sind keine Seltenheit.

Aber worauf will ich mit diesen ganzen Angaben eigentlich hinaus?

Wenig Diversität im Kinderbuchmarkt

Obwohl es in Deutschland so viele Kinder gibt, die entweder einen Migrationshintergrund aufweisen, eine körperliche oder geistige Behinderung haben oder auch in noch immer unkonventionellen Familienmodellen aufwachsen, gibt es im Bereich Kinderbuch viel zu wenig Repräsentation für eben solche Themen. Kinderbücher mit BIPoC-Hauptcharakteren, Protagonist:innen mit Behinderung oder solche, die Themen rund um die LGBTQ+-Community aufgreifen und „normalisieren“ gibt es in Deutschland kaum. Der aktuelle Kinderbuchmarkt wird der Vielfalt in Deutschland nicht annähernd gerecht. Bei allen Büchern, die von deutschsprachigen Autor:innen verfasst, im Handlungsraum Deutschland spielen und im Zeitraum Mai 2019 bis April 2020 auf der Kinderbuch-Bestsellerliste des Börsenverein des deutschen Buchhandels standen, findet sich nicht ein Kinderbuch wieder, das eine BAME-Figur (Black Asian Minority Ethnic) als Hauptfigur hat.

Auch Bücher, in denen der Hauptcharakter von zwei Müttern, einem alleinerziehenden Vater oder auch nicht-binären Elternteilen großgezogen wird, sind eine Seltenheit.

Dadurch fehlt es vielen Kindern an Held:innen, welche sie selbst repräsentieren und ihnen als Vorbilder dienen können. Dabei sind ebensolche literarischen und fiktiven Identifikationsfiguren sehr wichtig für Kinder, um zu selbstbewussten Erwachsenen heranzuwachsen. Gerade im Kindesalter muss darauf geachtet werden, die Realität, die nun mal sehr bunt und vielfältig ist, möglichst optimal abzubilden. Denn die Jahre der Kindheit sind sehr prägend und bestimmen viel der späteren Persönlichkeit eines Menschen. Und da sich zumindest die meisten von uns eine aufgeschlossene, respektierende und bunte Gesellschaft wünschen, müssen wir zunächst einmal unsere Kinder richtig erziehen und ihnen beibringen, dass Diversität nicht nur die Realität, sondern auch etwas sehr Schönes und Wertvolles ist.

Der heutige Kinderbuchmarkt fördert jedoch nach wie vor hauptsächlich ein „Wir und die Anderen“, statt eines gemeinschaftlichen „Wir“ mit all seinen Facetten, die das Leben und die Gesellschaft heutzutage ausmachen.

Es fehlt an Diversität in Kinderbüchern.

Diese Bücher machen es schon richtig

Trotz der ganzen negativen Punkte muss man jedoch sagen, dass sich in den letzten Jahren schon viel in dieser Richtung getan hat. Immer mehr Autor:innen versuchen, Vielfalt in ihre Bücher zu bringen oder bestimmte Themen gesondert zu behandeln. Ein paar dieser Kinderbücher möchte ich im Folgenden noch kurz vorstellen:

Teddy Tilly von Jessica Walton und Dougal Macpherson:

Teddy Thomas möchte kein Teddybär mehr sein, sondern viel lieber Tilly heißen und eine Teddybärin werden. Auch wenn es Tilly anfangs schwerfällt mit ihrem besten Freund Finn darüber zu reden, merkt sie sehr bald, dass man mit Finn über alles reden kann und er immer für Tilly da sein wird — egal ob als Thomas oder als Tilly. Ein tolles Buch über den Mut zum Anderssein, Akzeptanz, Mitgefühl und bedingungslose Freundschaft.

König & König von Linda de Haan und Stern Nijland:

Als die alternde Königin in den Ruhestand gehen will, muss ihr Sohn, der Kronprinz, endlich heiraten, um seine Pflichten als König anzutreten. Aus der ganzen Welt reisen die bezauberndsten Prinzessinnen an, doch keine scheint den Prinzen wirklich zu interessieren. Bis eine ihren Bruder mitbringt, der unerwartete Gefühle im Prinzen auslöst.

Ach, das ist Familie?! von Britta Kiwit und Emily Claire Völker:

Egal ob Alleinerziehende mit Kind, Regenbogenfamilien, Mama-Papa-Kind, Patchwork, Adoption, Wohngruppen oder anderes — keine Familie gleicht der anderen. Dieses Aufklärungsbuch zeigt alle möglichen Konstellationen aus dem echten Leben auf und lädt mit Vorlesetexten und Info-Kästen dazu ein, jede Familie neu kennenzulernen.

Das Wort, das Bauchschmerzen macht von Nancy J. Della und Rina Rosentreter:

Die Vorlesezeit ist Lukas‘ Lieblingszeit in der Schule. Doch dann liest seine Lehrerin eine Geschichte vor, die ihm Bauchschmerzen macht. Genauer gesagt ist es dieses eine Wort, das ihm wehtut. Außer seiner Freundin Amira scheint das aber niemand zu verstehen. Eine spannende Geschichte, die zeigt, wie verletzend rassistische und diskriminierende Sprache ist, aber auch, wie man sich selbst für ein respektvolles Miteinander einsetzen kann.

Mama Superstar von Melisa Manrique und Manik Chander:

Das Buch porträtiert elf mutige Frauen, die von überall auf der Welt nach Deutschland gekommen sind, um hier eine neue Heimat zu finden. Egal ob aus Indien, Südkorea, Mexiko oder dem Irak, alle bringen ihre eigenen Traditionen und eine kulturelle Vielfalt mit, die gefeiert werden sollten!

Autorin: Wanda Hitzing
Bild: freepik

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