I'm a Fan Buch Cover

I’m a Fan – Obsession in Buchform

Da gibt es diesen Mann. „Den Mann, mit dem ich zusammen sein will“. Er ist ein Künstler, älter, unglaublich berühmt und begehrt – und eigentlich vergeben. Und dann gibt es noch diese Frau. „Die Frau, von der ich besessen bin“.

Sie schläft mit demselben Mann wie die Erzählerin. Natürlich nur nebenher, als Zeitvertreib, aber als würde ihr das nicht reichen, ist sie auch noch reich, weiß und eigentlich auch sonst alles, was die Erzählerin nicht ist. Noch dazu steht sie ihm viel näher als die Erzählerin, darf öfter mit ihm Sex haben und schafft es sogar, dass er ihr dauerhaft hinterherrennt. Purer Neid führt dazu, dass die Erzählerin die Frau minutiös stalkt und immer weiter in einem Strudel aus selbstzerstörerischer Eifersucht versinkt.

Toxische Beziehung trifft Gesellschaftskritik

Sheena Patels Debütroman I’m a Fan ist als Romanze in etwa so zärtlich wie ein Schlag in die Magengrube. Patel bewegt sich leichtfüßig zwischen schwarzem Humor, Sex, Gewalt und Gesellschaftskritik.

In kurzen Kapiteln von oft nicht mehr als ein bis zwei Seiten erzählt die Britin eine Geschichte von Obsession und Verlangen, aber auch von Erfahrungen, die nicht-weiße Menschen nicht nur im Alltag und im Berufsleben, sondern gerade auch in Beziehungen erleben.

Die Protagonistin sieht die Beziehung zu „Dem Mann, mit dem ich zusammen sein will“ als einen Weg, auf der sozialen Leiter nach oben zu steigen. Verzweifelt wünscht sie sich einen Ausweg, weg von 24-Stunden-Supermärkten, von Fast Food, dem bitteren Beigeschmack der unteren Mittelschicht und dem grauen Beton der Stadt. Ihre Verzweiflung materialisiert sich in der hasserfüllten Obsession mit „Der Frau, von der ich besessen bin“ – ein Symbol für alles, was der Erzählerin unerreichbar erscheint. Und gleichzeitig ihr Sündenbock für die Fehler des Mannes.

Im Kreis gefangen

Wer Spaß an extrem toxischen Beziehungsgeschichten und in Belletristik verpackter Gesellschaftskritik hat, wird mit I’m a Fan voll auf seine Kosten kommen. Trotz, oder vielleicht auch gerade wegen des experimentellen Schreibstils und der in vielerlei Hinsicht unsympathischen (aber dennoch stets absolut menschlichen) Charaktere ist Patels Roman definitiv eine Empfehlung wert. Hat man einmal angefangen, fällt es schwer, das Buch wieder wegzulegen. Zwar wird relativ schnell klar, dass die Geschichte sich nicht vorwärts, sondern immer wieder nur in Kreisen bewegt – aber genau darum geht es schließlich auch.

Autor: Felix Schneider

Bildquelle: Sheena Patel/Twitter

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